geboren 1983 in München, lebt und arbeitet zur Zeit in Istanbul und Köln. Sie studierte Freie Kunst an der Hochschule für Bildende Künste Saar in Saarbrücken sowie an der Accademia di belle Arti in Mailand und schloss im April 2008 als Meisterschülerin von Daniel Hausig ab. In ihrer Diplomarbeit, einer Videoinstallation, beschäftigte sie sich mit Menschen in Uniform und deren sinn- und raumgebender Wirkung.
Seit Oktober 2008 studiert sie postgraduiert an der Kunsthochschule für Medien in Köln und wird voraussichtlich im Sommer 2012 mit dem Diplom abschließen. Zwischen Dezember 2008 und Herbst 2011 war sie intensiv mit der Gestaltung des Museums der Unschuld des türkischen Schriftstellers Orhan Pamuk beschäftigt. Im Zuge der künstlerischen Leitung über die Ausstellung verbrachte sie über ein Jahr in Istanbul. Derzeit realisiert sie einen Dokumentarfilm über Sammler.
Projektauswahl 2007–2012
Zwischen 2009 und 2011 war Johanna Sunder-Plassmann zusammen mit Orhan Pamuk und Carlotta Werner mit der Gestaltung des „Museums der Unschuld“, dem realen Zwilling des gleichnamigen Romans des Literaturnobelpreisträgers, beschäftigt. Das Projekt umfasste die Entwicklung des Ausstellungskonzeptes über die Durchführung des langen künstlerischen Prozesses beim Füllen der Vitrinen, der das Museum am Ende zu einem Gesamtkunstwerk macht. Ihr Interesse liegt dabei in dem Aufbau eines komplexen Mikrokosmos um einen Sammler herum, in diesem Falle ein Schriftsteller, der seine literarische Idee in den Raum umsetzt. Bei der Arbeit am Inneren der Vitrinen wurden dreidimensionale Kunstobjekte geschaffen. Sehr inspirierend ist für sie, dass das Museum kein „zeitgenössisches Kunstmuseum“ zu sein scheint, es aber gleichzeitig doch auf eine Art ist. Es zitiert moderne Kunst, ist aber die simulierte Imagination eines fiktiven Sammlers und ist gestalterisch ein Balanceakt zwischen alt und neu. Das Museum wird 2012 eröffnet.
Johanna Sunder-Plassmann arbeitet derzeit an einem Dokumentarfilm in Istanbul, ihrem Diplomprojekt an der Kunsthochschule für Medien in Köln.
Der Dokumentarfilm beschäftigt sich mit Sammlern und den Räumen, die sie erschaffen. Die Protagonisten reichen vom Archäologen, der auf antike anatolische Gegenstände spezialisiert ist und eigentlich als Autohändler arbeitet, über den Besitzer der größten Nähmaschinensammlung der Türkei, bis hin zum analphabetischen Ex-Stuntman, der in Gegenständen seine Erinnerungen festhält. Die Sammlungen sagen viel über die Metropole Istanbul aus und bilden sehr persönliche Gegenpole zu der Schnelllebigkeit der Stadt. Gemein ist ihnen, dass versucht wird mit Objekten „Etwas“ festzuhalten. Innerhalb der Sammlungsräume gibt es eigene Ordnungsprinzipien, Strategien zur Erlangung von Erkenntnis, oder Speicherung von Gefühlen und Erinnerungen.
In der Videoarbeit "Stürme" wird ein Stück eigener Heimatpatriotismus in Form des norddeutschen Piratenliedes "Wir lieben die Stürme" vor die Kulisse eines tiroler Wasserfalls platziert. Singend versucht sich Johanna Sunder-Plassmann mit dem heimatlichen Freibeutergefühl trotz der ungewohnten Naturgewalten und des Dirndls zu identifizieren. Die Arbeit wurde in der Ausstellung "Mythos und Heimat" im Gasthof zu Holzgau, Tirol gezeigt. Ihr Interesse gilt den verschiedenen Bausteinen, die zur Bildung einer Identität und der Erzeugung von Sinn für das eigene Tun führen.
Die Arbeit experimentiert mit der raumdefinierenden Wirkung von Uniformen und den Menschen, die sie tragen. Auf jeweils zwei frei stehenden Projektionswänden an den Enden eines Raumes erscheinen in wechselnden Konstellationen Angehörige unterschiedlicher Berufsgruppen. Die Polizisten, Pfarrer, Jäger, Feuerwehrleute stehen sich paarweise gegenüber, oder sind von hinten zu sehen. Verschwindet einer, oder kommt jemand hinzu verschieben sich Raumgewichtung und die Bedeutung der einzelnen Personen. Für ihre Diplomarbeit an der Hochschule für bildende Künste Saar nahm Johanna Sunder-Plassmann von 50 Protagonisten minutenlange Standbilder auf.
Hinter einem Schaufenster bewegt sich suchend und mühsam ein überdimensionaler Mann umher. Er trägt einen Anzug und versucht vergeblich eine bequeme Position in dem engen Raum zu finden. In der Installation im öffentlichen Raum wird eine Situation geschaffen, in der eine "normale" Person, ganz einer identitätsstiftenden Umgebung entnommen, auf der Suche nach sich selbst beobachtet werden kann. Die Arbeit war in verschiedenen Schaufenstern in Saarbrücken, Kaiserslautern, Ludwigshafen und Luxemburg zu sehen.
2009 – 2011 künstlerische Leitung über die Ausstellungsgestaltung für das »Museum der Unschuld« des Schriftstellers Orhan Pamuk, Istanbul
seit 2008 Postgraduiertes Studium an der Kunsthochschule für Medien, Köln
2008 Diplom Hochschule der Bildenden Künste Saar, Meisterschülerin Prof. Daniel Hausig
Oktober 2006 - Juni 2007 Auslandsstudium an der Accademia di Belle Arti di Brera, Mailand
2004 Hochschule der Bildenden Künste Saar, Saarbrücken
Dezember 2011 »Das Museum der Unschuld von Orhan Pamuk« Architekturgalerie am Weißenhof, Stuttgart
Juni 2011 »Der Lauf der Dinge« lange Nacht der Videokunst, Potsdam
Juli 2009 »Mythos und Heimat« Gruppenausstellung Künstlersymposium Holzgau in Tirol, Österreich
Oktober 2008 - März 2009 Förderpreis Junge Kunst SaarFerngas, Ausstellungen in Kaiserslautern, Saarbrücken, Luxemburg, Ludwigshafen
August 2008 Video- und Klanginstallationen »Himmel&Erde« im öffentlichen Raum Cloppenburg
Mai 2008 »On stage« Performance im Kunstsilo am Osthafen, Saarbrücken
April 2008 Diplomarbeit »Okkupation«, Sonderwerkstatt Kulturbahnhof, Saarbrücken
Oktober 2007 - Februar 2008 Installation im öffentlichen Raum Saarbrücken »Das inszenierte Fenster der nächtlichen Stadt«
August 2007 Ausstellung »Internationale Sommerakademie Salzburg«
März 2007 Ausstellung Stipendienwettbewerb der »Studienstiftung des deutschen Volkes«, Münster
Dezember 2011 »Fiktion Bauen – Die Entstehung des Museums der Unschuld in Istanbul« Staatliche Akademie der Bildenden Künste, Stuttgart
Oktober 2011 »Das Museum der Unschuld« Badisches Landesmuseum, Karlsruhe
April 2011 »Das Museum der Unschuld und andere Orte der Stimmungen« Vortragsreihe Architekturpositionen, TU Braunschweig
2007 Stipendium der »Freunde der Internationalen Sommerakademie Salzburg« zur Teilnahme in der Klasse VALIE EXPORT
seit 2007 Stipendiatin der »Studienstiftung des deutschen Volkes«
Johanna Sunder-Plassmann
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